Abu Dhabi International Triathlon
Sonja, wie fühlst Du Dich heute nach dem ersten abgebrochenem Rennen deiner Karriere?
Der erste Schock ist zwar vorüber, aber etwas down bin ich natürlich immer noch. Man setzt sich extra stundenlang in einen Flieger, richtet Ernährung, Schlaf, etc. alles auf diesen Tag aus und bevor er richtig begonnen hat ist er auch schon wieder vorbei. Vor allem aber muß ich mich ja auch jedes Mal von Lisa, meiner Tochter, für diese Tage trennen.
Wie ist das Rennen gestern aus deiner Sicht abgelaufen?
Ich habe mich sehr gefreut auf das Rennen und war hochmotiviert. Das Starterfeld war absolute Weltklasse und es macht immer Spass sich mit den Besten zu vergleichen. Die Strecken sind sehr fordernd, haben aber auch ein tolles Flair und das Highlight wäre sicherlich der Teil der Radstrecke auf dem Formel 1 Kurs gewesen. Außerdem wollte ich nach dem mittelmäßigen Rennen in Südafrika vor ein paar Wochen zeigen, dass ich in guter Form bin.
Beim Schwimmen hatte ich nach der ersten Runde (1,5 km) beim Landgang so 2-3 Minuten Rückstand auf die Spitze, aber das hatten wir so voraus gesehen und hat mich nicht beunruhigt. Dann so nach einem Viertel der 2. Runde wurden plötzlich meine Hände und Füße gefühllos und ich hatte Probleme weiterzuschwimmen. Im Wechselzelt mußte ich auf eine Helferin warten, denn ich war nicht mehr in der Lage meinen Schwimmanzug selbst zu öffnen. Mir war aber nicht bewußt, dass ich ernsthaft unterkühlt war und dachte mir, dass es nach dem Radstart schon in Ordnung kommen würde.
Ich schob also mein Rad aus der Wechselzone und dachte nur immer: jetzt wird es gleich warm. Tom erzählte mir nachher, dass er schon von Weitem gesehen hatte ich würde sehr gemächlich und wie auf rohen Eiern gehen. Mir selbst ist das allerdings nicht aufgefallen. Als ich dann aufs Rad steigen wollte ist es passiert. Ich konnte den Lenker mit meinen steifen Fingern nicht richtig greifen und irgendwie haben meine Beine nicht so gehorcht wie ich es gerne gehabt hätte. Beim Sturz bin ich auf mit dem Fuß in die Speichen des Hinerrades gerutscht und habe mir wohl dabei die Schnitte zugezogen. Gefühlt habe ich das zu diesem Zeitpunkt nicht. Außerdem habe ich den Reifen dabei irgendwie so unglücklich eingezwickt, dass er einen Riss bekam. Auch das ist mir noch nicht aufgefallen. Erst als ich draußen auf der Straße erneut aufsteigen wollte, wäre ich fast noch einmal umgefallen und jetzt bemerkte ich den platten Hinterreifen. Tom kam dann auch schon angerannt und hat mir das Rad abgenommen und mich an den Straßenrand geführt. Ich habe wohl immer wiederholt, dass ich keine Hilfe in Anspruch nehmen dürfe, da mir sonst die Disqualifikation drohe und rief nach einem Mechaniker.
Tom hat mich dann in den Arm genommen und gesagt, dass das Rennen für mich heute leider zu Ende sei. Erst wollte ich es nicht glauben und erst als der herbeigeeilte Mechaniker auch noch meinen Schnellspanner versehntlich abbrach dämmerte es auch mir, dass heute wohl der Tag des ersten DNF (do not finish) meiner Karriere gekommen war.
Technische und gesundheitliche Probleme - es war also eine klare Entscheidung das Rennen abzubrechen?
Ich war zu diesem Zeitpunkt so auf das Rennen fixiert, dass ich vermutlich versucht hätte irgendwie wieder auf mein Rad zu kommen, wäre da nicht das irreparable Hinterrad gewesen. Das eigentlich Hauptproblem war aber die Unterkühlung und hätte ein Weiterfahren ohnehin nicht zugelassen. Laut Tom habe ich schrecklich ausgesehen und er hätte mich auch ohne Defekt keinen Meter mehr weiterfahren lassen: blaue Lippen, rote Augen und am ganzen Körper gezittert wie Espenlaub.
Ich mußte sehr lange am Straßenrand sitzen bis ärtzliche Hilfe kam. Glück hatte ich allerdings, dass mir einer der Motorradfahrer seine Jacke gab und Tom in der Nähe war um mich zu wärmen. Später kam dann ein Polizist und hat uns in sein Auto gesetzt.
Irgendwann mal kam dann ein Sanitäter zu Fuss und hat den Polizisten mit dem Auto zum Medical Zelt geleitet. Erst da bekam ich trockene Kleidung und wurde in Decken gewickelt. Meine Körpertemperatur wurde dort mit 34 Grad festgestellt.
Hast Du deine Blessuren mittlerweile gut überstanden oder ist etwas dabei, das Dich noch längerfristig behindern wird?
Die Unterkühlung denke ich ist kein Thema mehr. Allerdings schmerzen 2 der Schnitte, die ich mir beim Sturz zugezogen habe noch und ich hoffe das sie sich nicht entzünden.
Denkst du das Wasser war zu kalt um darin ohne Neo zu schwimmen?
Das kann ich nicht genau sagen. Laut Veranstalter waren es genau 23 Grad, also der Wert für den das Schwimmen ohne Neo angesetzt war.
Tom war allerdings so verärgert über die Entscheidung das Rennen ohne Neo schwimmen zu lassen als ich mich verletzt hatte, dass er um halb 10 Uhr die Wassertemperatur noch mal gemessen hat und sein Thermometer zeigte dann nur 22 Grad an.
Für mich war die Entscheidung natürlich doppelt hart. Zum einen schwimme ich mit Neo deutlich besser und zum anderen hätte ich eben dieses Kälteproblem nicht gehabt.
Wie auch immer - wir wissen, dass ich nicht gut mit Kälte umgehen kann. Ich hatte ja in Südafrika vor ein paar Wochen schon das Problem, dass mein Körper bei kalten Temperaturen nicht so leistungsfähig ist. Dort hatte das Wasser sogar nur 14 Grad, aber durch den Neo und die kürzere Schwimmstrecke konnte ich mich eben noch gerade so aufs Rad retten.
Als Konsequenz habe ich mir in den letzten Wochen zwar fast 2kg mit Gewalt angefuttert, aber das hat wohl nicht gereicht...
Wie geht's jetzt weiter? Ziehst du aus dem Erlebnis hier Konsequenzen für deine in 4 bzw. 5 Wochen stattfindenden Rennen in Texas bzw. New Orleans?
Dazu gibt es keinen Grund, dass war einfach Pech hier. Ich bin in guter Form und bei Ironmanrennen liegt die Grenze für Neoverbot glaube ich generell erst bei 24,5 Grad. Das Wasser beim 70.3 in Texas hat durchschnittlich 22 Grad, in New Orleans ist es nur etwas kälter so weit ich weiss.
Das 70.3 Rennen in Texas ist zeitgleich die nationale US Meisterschaft. Was sind deine Ziele für das Rennen?
Dort werde ich Mirinda Carfrae, die amtierende Ironman Weltmeisterin, treffen und auch sonst ist das Rennen ausgezeicnet mit Kurz- und Langdistanzathleten besetzt. Die vorderen Plätze werden also auch dort wieder hart umgekämpft sein. Top 10 wäre ein toller Erfolg.
Bild 1: trotz offensichtlicher Problemen versucht Sonja noch auf ihr Rad zu steigen und stürzt dabei.

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