IM World Championship 2010 - Sonja schnellste deutsche Frau

"An dieser Stelle Euch allen ein riesen Dankeschön, die mit mir die ganze Nacht über an den PCs und Fernsehgeräten gefiebert haben. Es wird eine Weile dauern bis ich auf all die SMS, Emails und Facebook Nachrichten geantwortet habe, aber ich gebe wie beim Rennen alles :-)

Obwohl ich die Top 10 erneut verpasst habe bin ich dieses Jahr nicht unzufrieden mit meinem Rennen. Am Rad lief es einfach nicht - meine Beine waren leer und mir ist bewußt es gibt diese Tage einfach. Schade dass es gerade auf Hawaii passiert ist. Dennoch habe ich mich um 15 Minuten gegenüber dem Vorjahr verbessert und bin besonders glücklich darüber den 6. schnellsten Frauen Marathon des Tages und damit meine neue persönliche Bestzeit gelaufen zu sein."

Das Interview zum Rennen

Sonntag 10. Oktober 2010 - Kailua Kona, Hawaii

Sonja hat zwar ihr Wunschziel, die Top 10 bei der Ironman Weltmeisterschaft zu erreichen, erneut verpasst, ist mit ihrem Rennen aber trotz gleicher Platzierung (14. Platz) weitaus zufriedener als im Vorjahr - und das nicht nur weil sie beste Deutsche ist.

Sonja, wie fühlst Du Dich heute einen Tag nach dem großen Rennen, was geht Dir durch den Kopf?

Eigentlich nicht anders als nach einem Sieg... schmerzende Beine und brennende Blasen...
Nö, Spass bei Seite - natürlich bin ich nicht endlos glücklich, da ich mein erklärtes Ziel die Top 10 zu erreichen erneut verpasst habe. Ich bin aber auch nicht unzufrieden, da ich einige meiner Teilziele gut umgesetzt habe und meine Gesamtzeit immerhin um 15 Minuten gegenüber dem Vorjahr verbessern konnte.

Das Schwimmen, letztes Jahr eine Katastrophe, wie war es dieses Jahr?

Auch wenn eine 1:07 Stunden nicht gerade wie eine Spitzenzeit klingt war ich damit recht zufrieden. Man muss sehen, dass dieses Jahr die Bedingungen im Wasser etwas schwerer waren und zum ersten Mal keine Speedsuits mehr erlaubt waren. Wenn ich diese Faktoren auf meine um 5 Minuten verbesserte Schwimmzeit draufpacke habe ich mich doch deutlich verbessert. Obendrein muss man bedenken, dass Uwe Wiegand mich erst seit Mai unter seine Fittiche genommen hat und ich jetzt schon einen deutlichen Aufwärtstrend sehe. Anhand dieser Tatsachen bin ich eigentlich sehr zufrieden und denke, dass in dieser Disziplin noch einiges für mich zu holen ist die nächsten Jahre.

Beim Radfahren hast du im Laufe der Saison bisher keine Schwächen gezeigt. Gestern lief es nicht so richtig. Was war da los?

Das wenn ich jetzt schon wüßte. Es war diese Disziplin die mich die Top 10 gekostet hat. Es waren eigentlich keine besonders schwierigen Bedingungen dieses Jahr - es war nicht heisser als im Vorjahr und die Winde waren, außer bei Hawi, auch durchschnittlich.
Von Anfang an spürte ich, dass meine Beine leer waren - es lief einfach nicht. Mir ist klar es gibt solche Tage, aber wenn das gerade bei einer WM passiert ist das schon ärgerlich...
Wenn wir im Team in einigen Tagen die genaue Analyse des Rennens durchführen hoffe ich anschließend die Ursache zu kennen.

Du bist ja bekannt für deine mentale Stärke, aber wie du nach der Enttäuschung auf dem Rad noch in den Marathon gegangen bist das war schon beeindruckend. Wie hast du dich hier noch einmal so antreiben können?

Ich gebe eigentlich immer was möglich ist, egal ob ich 1. oder 20. bin. Einen kleinen Motivationsschub habe ich allerdings trotzdem noch durch Tom bekommen. Als ich am Berg die Palani Road an ihm vorbei bin hat er mir zugerufen: "Du bist jetzt genau 16 Minuten von den Top 10 entfernt, wenn du eine 3:05 läufst schaffst du es noch. Ich weiss du kannst das, außerdem schuldest du das Lisa und mir." Nach dem Rennen hat er sich für den letzten Satz entschuldigt, sagte aber er hatte das Gefühl noch mal einen Funken zünden zu müssen und es hat gewirkt - ich habe gekämpft wie ein Löwe und bin den besten Marathon meiner Karriere während eines Ironman Rennens gelaufen. Für die Top 10 hat die Zeit dann zwar trotzdem nicht gereicht, aber dafür hat mir die Verbesserung der Platzierung noch erheblich Punkte für die Qualifikation in Richtung 2011 gebracht.

Hast du die Hoffnung jetzt aufgegeben auf deinen großen Traum die Top 10 zu erreichen?

Ich werde Top10 auf Kona finishen - das ist mein Ziel und das werde ich früher oder später erreichen. Zumindest werde ich das mit noch 4-5 verbleibenden Jahren in meiner Karriere nicht so schnell aufgeben.
Abgesehen vom Radfahren gab es sehr viel Positives dieses Jahr und das treibt mich an. Ich habe dieses Jahr gute Fortschritte gemacht und beim Radeln eventuell einfach Pech gehabt. Caroline Steffen z.B. habe ich vor 6 Monaten in Südafrika noch geschlagen, ich bin schneller geradelt und schneller gelaufen als sie. Jetzt ist sie Vizeweltmeisterin. Hawaii kommt momentan vielleicht meinem Stil ein Rennen zu bestreiten nicht ganz entgegen, aber ich bin lernfähig.

Was steht die nächsten Wochen auf deinem Plan? Weißt du bereits wie die Saison 2011 für dich aussehen wird?

Naja, Ralf hat mir heute bereits die ersten 20 km Rad aufgegeben gehabt, die ich natürlich gefahren bin. Ist wie bei Bayern.... wenn die nicht perfekt spielen, dürfen sie auch nicht auf die Wiesn ;-)

Diese Woche besuchen wir noch Freunde in Washington D.C., dann kommt Lisa in die Kinderkrippe, das wird auch wieder ein neuer Abschnitt und dann geht es auch schon wieder los mit dem Training und den Vorbereitungen für die neue Saison. Obendrein muss ich noch Tom pflegen, da er eine Knie OP gefolgt von 6 Wochen Krückengehen vor sich hat.
Für nächstes Jahr steht derzeit nur fest, dass ich wohl wieder 3 Langdistanzen und 2-3 mittlere bzw. kurze machen werde. Eine davon wird wohl Hawaii sein mit einem neuen Anlauf auf die Top 10!

 

Gesamtzeit: 9:35 Schwimmen 1:07 Rad: 5:14 Marathon: 3:07

Ironman Weltmeisterschaft 2010

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