Hallo Sonja, froh oder traurig wieder zuhause zu sein?

Es hat mir gut gefallen auf Hawaii, aber nach 3 Wochen dort habe ich mich doch sehr auf zuhause gefreut. Ich reise zwar gerne, aber eine so anstrengende 30 Stunden Reise wie nach Big Island brauche ich definitiv nicht öfter als einmal pro Jahr..

Könntest du dir vorstellen auf Big Island zu leben?

Für mich und meine Familie ist Eilsbrunn bei Regensburg unsere Heimat der schönste Flecken der Erde.

Im Ziel von Kona warst du nicht sehr zufrieden mit deinem Rennen. Wie ist dein Blick darauf jetzt knapp 2 Wochen später mit etwas Distanz?

Natürlich ist der 14. bzw. der 13. Platz (Rebecca Keat wurde disqualifiziert) ein toller Erfolg in meiner ersten Saison nach der Schwangerschaft. Zumal man bedenken muss, dass ich erst 3 Monate vor dem Rennen begonnen habe zum ersten Mal in meinem Leben als Vollprofi zu trainieren.
Aber genau deshalb, weil ich jetzt Vollprofi bin, stelle ich noch höhere Ansprüche an mich selbst und muss meine Leistungen auch kritisch sehen. Im Vorfeld wurde ich sowohl von den Fachleuten als von mir selbst als Top 10 Kandidatin gehandelt. Anschließend uneingeschränkt über den 14. Platz zu jubeln wäre nicht authentisch und auch nicht ehrlich den Leuten gegenüber die hinter mir stehen.
Ich weiß es gab Dinge in diesem Rennen die nicht optimal gelaufen sind und daran werden wir für die nächste Saison arbeiten.

Du hast betont wie hart es war nach dem verpatzten Schwimmen doch noch ins Rennen zu finden. Um so bewundernswerter war der Kampfgeist und die mentale Stärke die Du dann aufgebracht hast um doch noch ein erstaunliches Ergebnis am Ende abzuliefern. Woher nimmst Du diese mentale Stärke?

In dieser Situation gehen einem viele Dinge durch den Kopf und ich muss gestehen kurz darüber nachgedacht zu haben einfach auszusteigen. Andererseits habe ich noch nie ein DNF in meiner Karriere gehabt und das soll auch so bleiben wenn es irgendwie geht. Grundlage für meinen eisernen Willen und den Kampfgeist sind wohl abgesehen von der Veranlagung, dass ich mich durch meine Referententätigkeit viel mit Stressabbau und mentaler Stärke beschäftige und dementsprechende Literatur aufarbeite.
Dazu kommen noch meine Familie und mein toller Freundeskreis die immer hinter mir stehen und denen es prinzipiell egal ist mit welchem Platz ich aus dem Rennen komme - Hauptsache gesund.

Lass uns kurz über die einzelnen Disziplinen sprechen. Das Schwimmen...

... war eine Katastrophe, da gibt es nichts zu diskutieren. Mit einer 1:12 Std. bin ich die schlechteste Zeit meines Lebens geschwommen und habe mir die Dinge damit unnötig schwer gemacht. Wir haben im Team bereits viel darüber diskutiert und auch schon einige Erklärungen dafür gefunden.
Ich habe dieses Jahr sehr hart am Schwimmen gearbeitet, aber leider außer im Wettkampf keine Gelegenheit gehabt im Meer zu Schwimmen.
Beim IM Südafrika und IM Austria war ich sehr zufrieden mit meiner Schwimmleistung und dachte das Problem gehört endlich der Vergangenheit an. Auf Hawaii muss dann aber mit Strömung und Wellen ohne Neoprenanzug geschwommen werden, das ist einfach etwas anderes als mit Neo oder im See zu schwimmen.
Ich muss das mehr trainieren - für nächstes Jahr steht es auf meiner Lessons learned Liste ganz oben :-)

Radfahren...

... war meine Stärke diese Saison und ich war auch auf Kona damit zufrieden. Speziell wenn man bedenkt, dass mir das schlechte Schwimmen anfangs wie Blei an den Beinen geheftet ist und ich auch keinen Anschluss mehr an die anderen Profifrauen hatte.

Laufen...

... war ganz ok, aber ich weiß hier habe ich noch nicht das Niveau von vor der Schwangerschaft erreicht. Ich bin mir sicher für nächste Saison noch mehr herausholen zu können. Auf Hawaii hatte ich dummerweise die letzten 12 km Magenprobleme und dadurch noch etwas Zeit verloren.

Ein kurzes abschließendes Fazit zu Hawaii 2009?

Es ist immer noch der Mythos und man kann es mit keinem anderen Rennen vergleichen. Hawaii hat einfach andere Gesetze und die Karten werden jedes Jahr neu gemischt. Wenn alles läuft wie geplant werde ich 2010 wieder dabei sein und einen neuen Anlauf auf meinen Top 10 Traum nehmen.

Du bist jetzt in der Winterpause. Kannst Du die Saison 2009 in ein paar Sätzen zusammenfassen?

Nach der Babypause wusste ich nicht wo ich stehe und es gab eine 50/50 Chance dass ich weitermache. Der 2. Platz in Südafrika hat uns alle überzeugt. Klagenfurt war die Bestätigung und mit einer "Sub 9" Zeit ging ein Traum in Erfüllung, außerdem habe ich damit die Leistung von Südafrika sogar getoppt.
Ein tolles Erlebnis war auch die Mitteldistanz in Erlangen mit dem spannenden Zielsprint und dem um 10 Minuten unterbotenen Streckenrekord.
Über Hawaii haben wir gerade gesprochen.

Die Saison hat mir super Spaß gemacht und es hat mich sehr gefreut die vielen Mails und Anrufe mit Glückwünschen und Zuspruch zu bekommen. Ich finde es Wahnsinn, wie viel Leute in der Hawaii Nacht wach geblieben sind und mit mir am Liveticker gefiebert haben. Alles was mir dazu einfällt ist: danke, danke, danke!

Nach dem Rennen auf Hawaii hast Du deine Saisonpause angetreten. Was tust Du jetzt bis du wieder voll loslegst?

Erstmal feiern und gut Essen!
Ich habe dieses Jahr sehr auf meine Ernährung geachtet, fast nichts Süßes gegessen und keinen Tropfen Alkohol getrunken. In den letzten Tagen haben wir bereits mehrmals mit Sekt gefeiert, waren Gansessen und zur Nachspeise gab’s Kuchen. Es gibt auch etliche Kaffee und Kuchen Einladungen die ich noch wahrnehmen muss.
Wahrscheinlich rolle ich in 2 Monaten bei noch dazu reduziertem Training...

Außerdem bin ich ja selbstständig und referiere zu den Themen betriebliches Gesundheitsmanagement, Stressabbau, Burn-Out und Ernährung. Ich habe aufgrund des Ironman Trainings viele Aufträge nicht annehmen können bzw. musste diese verschieben. Hier gibt es einen Berg aufzuarbeiten. Außerdem arbeite ich immer noch Teilzeit für das "Active Woman" Magazin.

Läuft die Vorbereitung für die Saison 2010 bereits?

Die Vorbereitungen laufen natürlich. Wir haben die soeben zu Ende gegangene Saison eingehend analysiert und ein paar strategische Entscheidungen getroffen. Es gab Gespräche mit Firmen die durch meine Leistungen dieses Jahr auf mich aufmerksam geworden sind. Das leidige Thema Sponsoring im Frauensport ist natürlich auch wieder auf dem Tisch.
Wir haben viel gelernt dieses Jahr, speziell auch in Bezug auf wen wir uns verlassen können und auf wen nicht.

Gibt es schon Neuigkeiten in Bezug auf dein Team?

Wir haben einige tolle Partner wie z.B. Cadion, (super Produkte und auch das Zwischenmenschliche passt einfach), meinen Physio "Mr. Iron Hands" Gerhard Haslbeck und andere mit denen wir sicher weitermachen werden. Hier wird die Zusammenarbeit höchstens noch intensiviert. An anderen Stellen gibt es noch ein paar Baustellen, speziell in einem Punkt führen wir im Augenblick sehr spannende Gespräche.

Mehr möchte ich momentan dazu aber nicht sagen, wir werden hierzu im Laufe des Novembers genauere Informationen preisgeben. Es lohnt sich auf jeden Fall auf dem Laufenden zubleiben.

Das heißt es geht auf jeden Fall weiter. Hast Du schon irgendwelche persönlichen Ziele für 2010?

Natürlich geht es weiter. Mein Mann Tom hat mir ein 3 Jahres Versprechen als Hauptsponsor gegeben ;-)

Ziele habe ich natürlich und ich hoffe das klingt jetzt nicht übermütig, aber ich will unbedingt meinen 2. Ironman Titel gewinnen und werde hart dafür arbeiten!

Wir wünschen Dir alles Gute für die nächsten Monate und die Saison 2010. Danke für das Interview und genieße die freie Zeit bis es wieder losgeht.

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