Nahe 9 Stunden und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii am 10. Oktober waren die Traumziele von Sonja bei ihrem Start am Ironman Austria letztes Wochenende. In der Zwischenzeit weiß jeder, was tatsächlich passiert ist: Sonja hat die für Frauen magische Grenze von 9 Stunden gebrochen und ist damit offiziell in die Weltelite aufgestiegen. Wir haben mit ihr über das Rennen in Klagenfurt und ihre Ziele für Hawaii gesprochen. Sonja, herzlichen Glückwunsch zu Deinem Ergebnis in Klagenfurt. Wie fühlst Du Dich ein paar Tage nach dem Rennen? Es geht mir sehr gut. Mental natürlich und überraschenderweise habe ich nur sehr wenig Muskelkater. Während der Heimfahrt von Klagenfurt gestern habe ich mit Susa, meiner Trainerin, bereits über einen Trainingsplan ab nächster Woche zur aktiven Regeneration gesprochen. Worauf schließt Du diese Änderung zurück? Zu aller erst muss ich an dieser Stelle einen riesengroßen Dank an meine Trainerin und Freundin Susa Buckenlei von PET loswerden. Bekanntlich neige ich sehr zum Übertraining, da ich einfach nicht still sitzen kann. Wie sie mich mit ihren Plänen, aber auch in Gesprächen nach der Schwangerschaft langsam aufgebaut und zur rechten Zeit gebremst hat war schon toll. Oktober 2008, also vor einem knappen 3/4 Jahr, habe ich 5 Monate nach der Schwangerschaft wieder mit dem Training begonnen. Seitdem hatte ich keine Verletzung und bin kontinuierlich stärker geworden. Das Rennen in Klagenfurt hat bereits mit einem Paukenschlag für Dich begonnen. Mit einer Schwimmzeit von 56 Minuten und 32 Sekunden hast Du Dir nicht nur einen weiteren Traum vom Unterbieten der 1 Stundenmarke erfüllt, sondern bist damit als 4. Frau gleich mit einem Spitzenplatz aus dem Wasser gekommen. Ich bin von Freunden zu lange mit meinen Schwimmzeiten geärgert worden... jetzt werden die es sicherlich meinem neuen Neoprenanzug Aquaman Gold zuschieben. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich in dem Anzug schon sehr wohl fühle. Dafür hast Du mit der besten Frauenradzeit dann aber doch ein ganz schönes Ding abgeliefert. Radfahren hat mir nach den ersten 10 km auch wirklich Spaß gemacht, die Strecke in Klagenfurt ist ein Traum. Sehr schnell, eine wunderschöne Landschaft und 2-3 harte Anstiege pro Runde was ja meine Stärke ist und wo die Konkurrenz richtig Körner lässt. Das Planet X Zeitfahrrad, dass ich seit dieser Saison fahre passt ausserdem einfach. Auch im Marathon hast Du eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt, dennoch hat Dich Bella ausgerechnet in deiner Paradedisziplin geschlagen. Sie hat sehr fokussiert ausgesehen, Du hingegen hast immer noch gelacht und den Zuschauern gewunken. Hast Du hier wirklich alles gegeben? Vorab hatte ich mir vorgenommen den Marathon unter 3 Stunden zu laufen, da die Strecke sehr flach ist. Allerdings war es dann am Renntag sehr heiß in Klagenfurt und diese Zeit wäre bei diesen Bedingungen für mich nicht möglich gewesen. Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen gab es die Aussage, dass Du mit einem Ironman unter 9 Stunden erst die zweite deutsche Frau nach Sandra Wallenhorst und nur eine von ca. 10-15 Frauen bist die überhaupt einen Ironman in dieser Zeit gefinished haben. Damit gehörst du offiziell zur Creme de la Creme der Weltelite. Wie fühlt sich eine derartige Aussage an? Natürlich freut es mich so etwas zu hören. Ich habe auch sehr viele Anrufe und Emails bekommen mit Gratulationen zum Einzug in die Weltspitze. Aber ehrlich gesagt ist das Profigeschäft im Ironman hart und als Frau ist es noch härter, da Du immer etwas im Schatten der Männer stehst. Außerdem dreht sich unter dem Strich dann doch alles um die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Wenn man dort die Top 10 schafft ist man wohl erst von allen als Weltspitze anerkannt. Es sind gerade einmal 3 Monate bis zur Weltmeisterschaft auf Hawaii wie sieht dein Programm bis dahin aus? Meine Trainerin, mein Mann (er managed mich als Athletin) und ich haben bereits gestern wieder mit der Arbeit angefangen, da ja nicht sehr viel Zeit ist. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich meine anderen Aktivitäten bis Hawaii auf ein Minimum reduzieren und mich nur auf den Wettkampf konzentrieren. Für das Laufen habe ich mich bisher immer auf mein Talent verlassen und sehr wenig trainiert. Ich muss hier etwas aufarbeiten und damit werde ich mich nun vermutlich doch an die in der Brache üblichen 40 Stunden Trainingsaufwand annähern. Wenn Du noch die Zeit für meine Tochter, die natürlich immer noch das wichtigste überhaupt für mich ist, und die Regernation dazu rechnest bleibt nicht mehr viel übrig. Vor 5 Jahren bist Du das erste Mal auf Hawaii gestartet. Damals warst du sozusagen noch ein Rookie und hattest das Motto dabei sein ist alles. Es war ein großer Erfolg als Du den 21. Platz belegt hast. Das bedeutet, Du warst damals bereits die 21. beste Frau der Welt im Ironman. Traurigerweise immer noch zu wenig um einen Platz im Profigeschäft zu finden. Anschließend hast Du erst mal einige Zeit überlegt, ob du weitermachen willst. Tatsächlich war ich nach meiner letzten Teilnahme verletzt, ausgebrannt und auch ein wenig resigniert wie wenig es einem bringt die Nummer 21. in der Welt zu sein. Mein Mann Tom hat mich nach der Geburt von Lisa gefragt, wann ich wieder einen Ironman starte. Ich war mir nicht sicher, doch er ermutigte mich: „Sonja, das gehört doch zu Dir, das bist Du, und Du hast so viel Talent!“ Ich habe ihm gesagt, dass ich schon noch etwas weitermachen möchte, sofern das mit unserer Tochter in Einklang zu bringen ist. |
